BEANS ON TOAST (UK) Beginn: 20Uhr Ein Lucky Booking Konzert


Musik kann mit Melodie, harmonischem Raffinement und Virtuosität fesseln. Eines der schlichteren und unverwüstlichen Modelle ist das des singenden Geschichtenerzählers.Der Folksänger Jay McAllister steht in dieser Tradition. Die Lieder des 35-jährigen Engländers sind so bodenständig wie es sein Künstlername „Beans on Toast“ – ein britischer Snack – verspricht. Er ist wie der etwas vorlaute Underdog an der Theke, der einen zuquasselt, bei dem man aber auch nicht weghören kann – weil er so originell, unverblümt, lustig, politisch und herrlich selbstironisch istIn England ist „Beans on Toast“ Kult. Traditionell eröffnet er das Glastonbury Festival. Spätestens seit er 2012 als Support für Frank Turner Zigtausende in der ausverkauften Wembley-Arena begeisterte, hat er eine solide, stetig wachsende Fan-Basis. Jedes Jahr an seinem Geburtstag, dem 1. Dezember, bringt er eine neue Platte heraus. Gerade ist „Rolling up the Hill“ erschienen, seine siebte. Sie ist wieder ein vorweihnachtliches Geschenk, vielleicht sogar sein gelungenstes bisher

„Rolling up the Hill“ hat alles, was man von einer „Beans on Toast“-Scheibe erwarten darf. Der Barde erinnert sich an die gute alte Handy-lose Zeit („The Mudhills Crew“), sinniert darüber, wie Robin Hood wohl in Zeiten digitaler Geldströme zurecht käme, versucht sich in einer sympathisch unbeholfenen Liebeserklärung („I’m Home When You Hold Me“) und verarbeitet die Tour-Erfahrungen eines Engländers in den USA („The Great American Novel“). In „God Is a Cartoonist“ teilt er satirisch gegen Religion und Terroristen aus. Es gibt Songs über Freundschaft, Autostaus, Afrika und Playback-Mogelei („A Bit More Track in the Monitor“). Und immer hat McAllister kleine, versöhnliche Lebensweisheiten im Ärmel.

Das muntere Folk-Geschrammel und die verlässlichen Akkordwechsel, die die mit glorioser Pub-Stimme gesungen Einsichten gewöhnlich untermalen, klingen diesmal überraschend differenziert. Das Duo „Truckstop Honeymoon“ steuerte Kontrabass, Mandoline und Fingerpicking bei. Sogar ein Bläsersatz kommt zum Einsatz. Stilistisch schlägt das Folk-Pendel Richtung R’n’B, Country, gar Funk aus. „Beans on Toast“ serviert diesmal ein komplettes Menü. Leider muss es wieder ein Jahr reichen.