THE WHOLE DAMN WORLD IS GOING CRAZY

Do. 18.Aug.2016

Hatte ja schon seit längerem (seit einem, vier, sechs Jahren??) schon vor, mehr in dieser Rubrik zu schreiben, aber ich bin halt ein fauler Sack!! Aber jetzt wird es angepackt. Und solltet ihr nicht in regelmässigen Abständen hier Neues lesen, ruft an und macht mich rund. Bis dahin, Gutes tun. das hier beispielsweise:

GEMA!!??

Ein Arschlochzeichen gibt es nun mal nicht, vielleicht hätte ich dann das, statt einem Frage-, bzw. Ausrufezeichen benutzt. Geht also wieder mal um die leidige Gema, bzw. geht nicht um sie, weil: Ist ja eigentlich alles gesagt über diese Bagage. Man ist doch immer wieder fassungslos, wie dieser Laden inmitten und beobachtet von der gesamten Gesellschaft, (also nicht heimlich und im Verborgenen) sich die Taschen vollstopft. Und wie man immer wieder um Fassung bemüht ist, diesen ganzen Verein in Bausch und Bogen zum Teufel zu wünschen will, aber weiß, dass man leider am kürzeren Hebel sitzt. Deshalb sollte man diesen Leuten (Gauner, bzw. Verbrecher darf man ja nicht sagen) gar nicht die Genugtuung geben, sich über sie zu ärgern.

KLEINE REISE VOM LIEBEN LANGWEILIGEN GRIECHENLAND ÜBER`S BÖSE AMERIKA BIS EMMENDINGEN

Dreimal in den letzten Tagen im Kino gewesen und dabei eine gewisse, na sagen wir mal Ausgeglichenheit erlebt. Von stinklangweilig über sehr angenehm bis hin zu fett. Womit fangen wir an? Stinklangweilig? Ok: Was der kleine, liebenswerte griechische Film den Zuschauern bietet, kommt einem anderthalbstündigen Kurzurlaub gleich: Spaß, Meer, etwas Abenteuer, lichtdurchflutete Landschaften, nette Menschen.“ Schreibt der Spiegel in seiner Online Kritik und liegt damit so weit daneben wie das griechische Archipel von der Chinesieschen Mauer. Auf einer Insel wird eine Leiche gefunden, die beim  Dorfpolizisten und seiner Ortsgemeinde für Verwirrung und Tohouwabohou sorgt. Die witzig beginnende Story entwickelt sich zum zähen Langeweilerbrei, bei dem mich meine Freundin kurz vor Ende zum wiederholten Male aufwecken muss. „Der perfekte Film für den Sommer, das ist er.Besonders, wenn es regnet.“, fällt dem Spiegel auch noch dazu ein. Bitte nicht, dann lieber zehn Wochen Tiefdruckzone.

Viel besser, weil einfach spritzig,schlau und wirklich witzig kommt da schon „Sunshine Cleaning“ daher. Der Titel verräts Eine gewisse stilistische Nähe zu „Little Miss Sunshine“ ist bei Christine Jeffs dritter Regiearbeit leicht auszumachen. Das kommt nicht von ungefähr – schließlich wurde „Sunshine Cleaning“ vom selben Team produziert wie Jonathan Daytons und Valerie Faris‘ Indie-Superhit. Dennoch sind beide Werke völlig eigenständig und nicht unbedingt vergleichbar. Ebenso wie „Little Miss Sunshine“ weist auch „Sunshine Cleaning“viele heitere Momente auf und gibt sich nicht durchweg pessimistisch-düster, zeichnet sich insgesamt aber doch durch einen deutlich dunkleren Grundton aus, der den Film tief in der amerikanischen Wirklichkeit verankert. Irgendwie die klassische Tragikomödie halt, wie es so fast nur die Amis fertig bringen. Man findet in „Sunshine Cleaning“ keine universelle Antworten auf menschliche Befindlichkeiten ,darum geht`s auch gar nicht. Einfach schön zu sehen, wie die filmische Umsetzung gelingt, Menschen zu zeigen, die sich in auch unter weniger schönen Umständen in der Gesellschaft behaupten. Schöner kleiner Indiefilm.

Bliebe noch fett. „State of play“ ist ein grossartiger Politthriller für den der Begriff „Old School“  geradezu wie geschaffen scheint. Alles passt zusammen: die düsteren Bilder von Kameramann Rodrigo Prieto

), der flotte aber nie hektisch wirkende Schnitt von Justine Wright und die atmosphärische Musik von Alex Heffes. Mit letztgenannten hatte Regisseur Kevin Macdonald schon bei seinem phantastischen Debüt „Der letzte König von Schottland“  zusammengearbeitet. Die Story will ich jetzt hier gar nicht gross erzählen, geht selbst ins Kino und schaut euch`s an, nur soviel: Selbst der ansonsten eher nervige Ben Affleck begeistert mit subtilem Spiel. Das Russel Crowe überzeugt war eh schon von vornerein klar. Toller Film, mit sehr schöner Musikauswahl. Einmal rumort Crowe in seiner chaotischen Küche herum und im Hintergrund läuft Gil Scott Heron. Weiss es nimmer genau, aber ich glaube es war „B-Movie“ aus dem Jahr 1981, ein grossartiges Brett, das damals auf jede Party gehörte. Erinnerte mich auf jeden Fall daran, auch mal wieder zu kochen und den Plattenspieler zu betätigen. Krieg ich Hektiker nie richtig hin. Das zum Abspann dann noch „Long as I can see the light“ lief, war das Pünktchen auf dem i. Was uns von der grossen Welt des Kinos wieder zurück in unsere liebliche Provinz führt, denn der Schöpfer dieses Songs wird ebendiese in einigen Wochen aufsuchen. John Fogerty, der Mann, der CCR zu den Göttern des Southern Rock machte, wird auf dem, ich trau`s mich kaum zu sagen, Marktplatz in Emmendingen, auftreten. Wer von unseren jungen Nerds also die Kings of Leon als tolle,wilde Band schätzt, sollte dies nicht versäumen. Da kann man den Vater des Southern Rock bewundern, ohne dessen Einfluss die Brüder Followill, samt Cousin ihren Siegeszug kaum angetreten hätten. Glaubt`s oder glaubt`s nicht: Creedence Clearwater Revival sind mehr als Bad Moon Rising, obwohl das allein schon ein toller Song ist.

ZÄTT EM EFF /MICHAEL IST TOT/DOOFE  BRASILIANER

Im Westen nichts Neues, dass heisst bei ZMF alles wie gehabt: eine Hand, bzw. ein Finger reicht auch dieses Jahr vollkommenm aus, um die Anzahl der interessanten Konzerte abzuzählen. Es gibt schlicht und einfach keine. Zumindest keine, die einem vom Hocker reissen würden. Oder hätte etwas jemand erwartet, dass Frau Hynde mit ihren Pretenders mehr als nur ein kleines Abrutschen in Melancholiegefühle verursachen würde. Tat sie auch nicht. Sound wie gehabt sehr bescheiden im Zirkuszelt, halliges Schlagzeug, zu wenig Gitarren, aber immerhin kam das Bein bei „Precious“ und „Middle of the road“ ein klein wenig in Wippstimmung. Ansonstenwog sich das SWR 1 Publikum im halbvollen Zelt wohlgesonnen bei den  Hits wie „Don`t get me wrong“ oder „Brass in pocket“, mehr braucht`s anscheinend nicht, und mehr hatte man, ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Ärgerlich allerdings danach die Berichterstattung in der „BZ“  Mal davon abgesehen, dass der Gig nicht halb so gut war, wie es der Redakteur gehört/gesehen hatte, gehen solch bräsige-old Sack Kritiken, wie warum die Gitarre, bzw. das Schlagzeug gestimmt sein sollten, seit Jahrhunderten nicht mehr. Interessiert keinen Mensch.

Anderntags dann morgens der Anruf, ob ich was zu Michael Jackson schreiben  könne. Ich hatte keine Ahnung, dass der Cyborg, formerly known as Michael Jackson, nimmer unter den Lebenden weilte, so isses, wenn man Radio,TV und Internet mal ne Weile auslässt. „Na ja“, viel Gutes wirste von mir nicht hören“, sagte ich dem Redakteur. „Egal“, schreib`halt mal!“ Ich schrieb:

Als Michael Jackson sein Album „Thriller“ veröffentlichte, fiel fast die gesamte Popwelt (und die übrige auch) in Ohnmacht. Ich konnte die damalige Aufregung nicht nachvollziehen, und das hatte einen einfachen Grund. Der Mann stand, zumindest für mich, auf der falschen Seite. Denn uns zogen Bands wie Heaven 17, Dexy Midnight Runners,Scritti Politti oder ABC auf die Tanzfläche, Gruppen die bewiesen, dass sozial-kritischeMusik, auch tanzbar sein konnte, ja sogar, dass Sozialismus und Glamour sich nicht ausschliessen mussten. Den Gegenpart bildete die Fraktion der belanglosen Tanzmusik. Selbst wenn das Jacksons Sound nicht unbedingt war, machte uns die Tatsache, dass „Thriller“ in jeder Dorfdisse und in jedem Yuppiesender bis zum Erbrechen gespielt wurde, wahnsinnig. Dass Thriller die musikalische Ästhetik der 1980er Jahre definierte, mögen viele Kritiker so sehen: für andere, und dazu zähle ich mich auch, war Jackson nie der King of Pop, höchstens ein begnadeter Tänzer, toller Sänger und Schöpfer von zwei, drei guten Songs. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Vielleicht habe ich dem guten Mann doch Unrecht getan, aber es war halt wirklich so, dass ich diese Integration von Schwarz und Weiss, die die gesamte Kritikergilde bei Jackson sah, deshalb nie bemerkte, weil sich Jackson meiner Meinung zu stark dem weissen  Mainstream anbiederte. Dazu war Tanzen war noch nie meines, und Soul hörte sich für mich auch anders an. Der Bursche war ein kleiner Junge, der nie erwachsen wurde. Dazu passt auch sehr schön die Geschichte, die ein Produzent mal von sich gab. Es war ein Meeting mit Jackson und noch nem Produzentenheinrich angesagt, wichtiges, geschäftliches Gespräch also. Die beiden Produzenten saßen am Tisch und während des zwei Stunden langen Gespräches kurvte der gute Michael die ganze Zeit mit Rollschuhen um den Tisch rum. Ich weiß bis heute nicht, ob ich das für genial, oder  für vollkommen durch den Wind halte. Allein das Bild: Zwei Anzugsfritzen, der King of Pop kurvt die ganze Zeit um sie herum, und am Tisch werden Millionen jongliert.

Apropos durch den Wind: Könnte mal jemand den bescheuerten brasilianischen Kickern auf die Birne klopfen? Reissen sich in Gemeinschaft nach dem Confed Sieg die Trikots vom Leib, nur damit man ihre satanischen Botschaften: I belong to Jesus sieht, fallen auf die Knie und beten. Ihre Sache? Eben nicht. Wollte wissen, was los wäre, wenn ein Team mit der Aufschrift Allahu akbar auf ihren Trikots anrollen würde. Ob da wohl das Entblössen des Trikots so problemlos von Statten ginge. Wäre auch schön zu wissen, ob Kaka, Lucio und Konsorten auch bei ihren Vertragsverhandlungen so gottesfürchtig sind, oder nur auf den schnöden, weltlichen Mammon schauen. Egal: unsereins wartet auf die neue Jamie T. Veröffentlichung. Die Single lässt grosses erwarten.

Im übrigen ging im ganzen Michael Jackson Gedöns völlig unter, dass Sky Saxon auch das Zeitliche gesegnet hatte. Der Sänger der legendären Seeds war zwar schon etwas balla im Kopf (unter anderem deswegen hatte ich im letzten Jahr von einem Angebot, ihn und seine Kapelle in Freiburg zu veranstalten abgelehnt), aber jedes Stück von  grandiosen Debütalbum der Band aus dem Jahre 1965 stand und steht mir näher als „Billie Jean“ oder „Beat it“ Grosser Mann.